Norwegen. Endlich wieder Norwegen. Endlich wieder hemmungsloses Kreditkarten-penetrieren, endlich wieder dieses herzerwärmende Herzstillstand-Feeling beim Blick auf die Bierpreise, endlich wieder unbeschreibliche Landschaftszüge. Als Österreicher ist man ja atemberaubende Ausblicke gewohnt, oder sagt man gewöhnt? Egal, wir habens afoch sche. Aber Norwegen, das ist die Championsleague der atemberaubenden Ausblicke.  Zum dritten Mal nun zog es mich in den Norden. Beim ersten Besuch 2017 gings von Oslo über die Südküste nach Kristiansund, Stavanger, Odda und Bergen. Beim zweiten Besuch nach Bergen und Geilo, und diesmal sollte es mich ausgehend von Bergen über Flam und Alesund bis nach Molde verschlagen.

Hinflug wiedermal WizzAir. Nach mehreren Flügen mit der ungarischen Billigairline kann ich nur positives berichten. Wer sich an die vorgegebenen Check-Inn- und Gepäcksregeln hält, hat einen entspannten Flug mit freundlichem Personal. In Bergen, wo ich meine erste Nacht verbracht habe –  ich will euch nicht allzu lange auf die Folter spannen – hat es natürlich geregnet. Und ja, natürlich waren meine Schuhe nicht wasserdicht.  Und ja, natürlich befand sich am nächsten Tag die Mietwagenstation etwas außerhalb des Zentrums. Und ja, natürlich bin ich komplett durchnässt in mein Gefährt eingestiegen. Aber alter Norweger. Was für ein Gefährt! In Mr. Bean Manier kämpfte ich mich in den schneidigen VW UP – 0 auf hundert in etwa 3,9 Stunden – und startete ins Abenteuer.

Nun, kurz ein paar Hardfacts zu Norwegen: es ist eines der flächenmäßig größten Länder Europas, mit ungefähr 5 Millionen Einwohnern aber nur dünn besiedelt. Diese Zahlt versiebenfacht sich jedoch an Touristenhotspots mit Reisegruppen aus dem fernen Osten und deutschen Wohnmobilen. Für die Tunnelfetischisten unter uns: in Norwegen liegt der längste Straßentunnel der Welt. Bei 24,51 Kilometern bekommt das Kärntner Sprichwort „Foahrst eine is finster, foahrst ausse is hö – der Tunnö“ eine ganz neue Bedeutung.

Ganze 12 Tage war ich insgesamt unterwegs, und es würde den Rahmen des Internets sprengen alles Gesehene in Worte zu fassen – deswegen in aller Kürze die Highlights meiner Reise:

Flam / Gudvangen / Naeroyfjord

Hier verbrachte ich die ersten Tage meiner Reise. Um horrende Hotelpreise in Flam zu umgehen buchte ich ein Bett in einem 6-Zimmer Hostel (Brekke Gard Hostel, 33 Euro die Nacht, sensationelle Lage). Noch einmal jung fühlen, noch einmal dieses wilde, ungezähmte und ungeduschte Lebensgefühl aufsaugen.  Nach der ersten Nacht und gefühlt 5 Minuten Schlaf weil ein asiatischer Vertreter die ganze Nacht auf Mandarin durchschnarchte, stornierte Ich die Zweite und quartierte mich über 100 Kilometer entfernt in einem Einzelzimmer ein. Ich bin zu alt für diesen Scheiss. Flam übrigens sehr nett, aber dadurch hier die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen und die Flam-Bahn endet einfach zu touristisch. Wirklich Ruhe findet man nur wenn man eine 30-minütige, gemütliche Wanderung zum Brekkefossen startet. Von hier oben kann man einerseits den mächtigen Wasserfall aus nächster Nähe begutachten und den Blick über Flam schweifen lassen. In  Gudvangen bzw. am Naeroyfjord erstmaliges großes Highlight: Wanderung über die Rimstigen (Startpunkt das Dorf Bakka). Ein sehr fordernder und steiler Aufstieg, gutes Schuhwerk und Kondition, die über das Treppensteigen in eine alte Straßenbahngarnitur hinausgeht, absolute Pflicht. Oben angekommen, war ich einfach unfassbar überwältigt. Dieser Ausblick – nicht in Worte zu fassen. Meine Gefühle spielten verrückt. Ich gebe zu, erstmals seit langer Zeit hab ich mal wieder geweint. Und zwar deshalb, weil ich mir vor der Wanderung beim Supermarkt ein Bier gekauft habe, um mich oben zu belohnen, es aber im Auto vergessen hatte. Nicht umsonst wird der Naeroyfjord als einer der schönsten Fjorde Norwegens bezeichnet, und die Wanderung über die Rimstigen darf durchaus noch als Geheimtipp bezeichnet werden, hierher verirren sich kaum andere Menschen.

Jolstralvatnet / Skei

Norwegen ist schwer auf bestimmte Ortschaften einzugrenzen. Denn hier ist, ähnlich wie in der U6 in Wien, wahrlich der Weg das Ziel. Für eine vom Navi auf 4 Stunden geschätzte Strecke kann man gut und gerne das Doppelte an Wegzeit einplanen, da es tatsächlich alle hundert Meter einen Wasserfall, See, Fjord oder Viewpoint gibt. Tempo rausnehmen, Seele baumeln lassen und nicht stressen – die Grundtugenden bei einer Reise ins Land der Wikinger. Als Zwischenstopp auf dem Weg nach Alesund empfehle ich das „Lunde Turiststasjon Hostel“. Einzelzimmer verfügbar, guter Preis und freundliche Gastgeber. Und, ähnlich wie bei der U6 in Wien, umgeben von einer fast schon kitschig, malerischen Kulisse. Hinter dir der Gletscher, links und rechts Berge mit tosenden Wasserfällen und vor dir ein wunderschöner See. Ausgangspunkt für viele schöne Wanderungen.

Alesund

Einheimische sagen oft, Alesund sei die schönste Stadt des Landes. Also Sie haben es noch nie zu mir gesagt, und wenn doch habe ich es nicht verstanden. Aber das Internet sagt, dass Einheimische eben dies sagen. Und das Internet lügt bekanntlich nie. Google so wie ich deine Symptome einfach, und sofort weißt du dass du bei Halsschmerzen eine tödliche Zehennagelerkrankung hast. Und tatsächlich, Alesund ist traumhaft. Die kleine Stadt überzeugt mit schöner Architektur, viel Wasser, feinen Ausblicken und hat zudem einen Burger King. Herz was willst du mehr. Empfehlung: unbedingt auch die Inseln rund um Alesund besuchen. Ein paar Autominuten entfernt befindet sich der Berg Signalen. Eine gute Möglichkeit, gemütlich zu wandern, Höhlensysteme zu betreten und sich zu fragen, wie ein Land nur so unfassbar schön sein kann.

Rampestreken / Trollstigen / Molde

In Norwegen natürlich immer die Gefahr von Regen. So auch am Weg nach Molde. Es war eigentlich eine spontane Harakiri-Aktion. Ein Himmelfahrtskommando. Fast schon gleichzusetzen mit der Chance zu Silvester ein Taxi zu bekommen. Aber nicht umsonst heißt es: „Die Depattn haben das Glück“. Und dieses Sprichwort bewahrheitete sich auch diesmal. Auf dem Weg nach Molde die Regenpause genutzt, 3 Stunden keinen Tropfen gesehen, und 10 Sekunden nach Ankunft beim Auto Weltuntergangswetter. Der gigantische Ausblick entschädigte den mühevollen Aufstieg zur Rampestreken, und entschädigte den Wolf, den Ich von der sportuntauglichen Schleifpapierunterheidl bekam. Auch bei der Trollstigen Regenpause, dafür Nebelsuppe. Erst nach 45 Minuten des Wartens verzog sich das Grau, und das Ausmaß der abenteuerlichen Straße durfte bewundert werden. Sehr schön, aber überfüllt mit Touristen und Touristenbussen. In Molde selbst habe ich aufgrund Dauerregens nur das Hotelzimmer und das (wirklich nette) Fußballstadion gesehen.

Rückreise nach Bergen

Last Christmas, i gave you my heart, but the very next day you gave it away. Mehrmals hatte ich diesen Ohrwurm im Kopf, den auf meiner Rückreise nach Bergen gesellte sich zum Dauerregen auch Schneefall. Und das im Juli. Aber wie singt dieser RAF Sodom und Gomorra Dingsbumstyp lyrisch äußerst hochwertig doch gleich: „Meine ganze Stadt betäubt von dem glänzenden Zeug – Hotpants werden feucht, komm und kauf was von mir. Flieg auf die Bahamas wegen Kokain“. Ich sag: komm nach Norwegen, da gibt’s frischen Schnee sogar im Juli. Über einen Stopp beim Skjervsfossen sowie Weiterfahrt über den Hardangerfjord ging es zurück ins wunderschöne Bergen, dass mich erstmals in meiner Norwegenkarriere mit sonnigem Wetter begrüßte.