Bevor man die Reise nach Down Under antritt, gibt es gewisse Dinge die man auf keinen Fall tun sollte: googlen nach „gefährliche Tiere Australiens“, Dokumentationen über gefährliche Tiere Australiens auf Netflix und Co. ansehen, über gefährliche Tiere Australiens nachdenken und glauben man könne es mit gefährlichen Tieren Australiens aufnehmen weil man gerade nach stundenlanger Jagd einen Silberfisch im Badezimmer  erfolgreich beseitigen konnte. Grundsätzlich bekommt man bei all der Panikmache rund um Krokodile, weißen Haie, Würfelquallen, White-Tail Spinnen, Braunschlangen oder schwer betrunkenen Einheimische das Gefühl, selbst der Bürgersteig Australiens sei hochgiftig und habe nur eines im Sinn: dich zu vernichten. Aber ich kann euch beruhigen, so viele Gehsteige gibt es auf diesem Kontinent gar nicht.  Und nachdem unsere Reise im Juni stattfand, sprich australischer Winter, sowieso größere Chance an einer zu intensiven Koala-umarmung als dem Biss einer Red-Back-Spider zu sterben.

Man könnte meinen die Anreise aus Österreich, einem Land das seit jeher mit Kängurus in Verbindung gebracht wird, sei eine kurze und einfache. Diesbezüglich muss ich euch schon jetzt enttäuschen, das Wort Weltreise bekommt am Weg nach Australien eine ganz neue Bedeutung. Und ich war schon in Grammatneusiedl, Obritz, im 23. Wiener Gemeindebezirk und Güssing. Ich weiß also, wovon ich rede. Die bequemste Variante, sofern man das bei knapp 24 Stunden Mindestreisezeit so bezeichnen kann, ist definitiv über Dubai zu fliegen. Klar, Emirates lässt sich diese Variante einiges kosten. Dafür stimmt der Komfort und ihr erspart euch eine Reisezeit von 40 Stunden sowie dreimaliges Umsteigen mit Flügen über Ukraine, China und Mordor. Wie gigantisch groß dieser Kontinent ist, merkt man dann sobald man im Flugzeug nach 9 Stunden Flugzeit auf dem interaktiven Bildschirm endlich das australische Festland erblickt und sich bereits mental auf das Ende der Reise einstellt, aber dann noch immer 5 Stunden bis nach Melbourne vor sich hat.

“Dafür stimmt der Komfort und ihr erspart euch eine Reisezeit von 40 Stunden sowie dreimaliges Umsteigen mit Flügen über Ukraine, China und Mordor”

Ich will euch die Angst vor dem weiteren weiterlesen des Berichts nehmen, deswegen vorsorglich hier ein Bild eines jungen Kängurus

Angekommen in Melbourne bereits wenige Minuten nach der Landung das erste gefährliche Aufeinandertreffen mit einem äußerst bissigen Tier Australiens – dem Zollbeamten. Nachdem aber weder ich Ihn, noch er mich zu verstehen zu schien, wurde ich einfach durchgewunken und durfte meine majestätischen Fußballerfüße auf australischem Boden aufsetzen.  Die ersten Tage verbrachten wir in Ballarat, einer ehemaligen Goldgräberstadt. Nett, aber nichts außergewöhnliches, gut um sich mental auf das Autofahren einzustellen. Ja, auch hier fahren sie auf der anderen Seite. Im Wildlife-Park erstmaliges Känguru-Highlight. Keine Spinnen- oder Schlangensichtigungen, dafür viele Vögel. Und ich rede hier natürlich von den Tieren. Generell fühlt man sich zu jeder Tageszeit so, wie als würde man in Jurassic Park mitspielen, die Geräuschkulisse der einheimischen Tierwelt klang neben unseren knurrenden Mägen oft so, als würde sich ein Velociraptor in unmittelbarer Nähe befinden. „Das Leben findet immer einen Weg“.

Ballarat

Nach 3 Tagen ging es also mittels Mietauto los mit unserem Road Trip. Indiana Jones Feeling noch Hilfsausdruck. Und um es uns ja nicht leicht zu machen, ergoss sich bereits nach 2 Stunden Fahrt ein Salzburger Schnürlregen zum Quadrat über unsere Route. „Hört bestimmt eh gleich wieder auf“ dachten wir uns. Und tatsächlich, nach 3 Tagen strömenden Regens (welcher eher einem niemals enden wollenden Niagara-Fall glich) und bis zur Unterhose durchnässter Kleidung zeigte Sie sich endlich. Die Sonne. Wir hatten bereits ein beträchtliches Stück auf der berühmten Great Ocean Road zurückgelegt und trotz der widriger Verhältnisse einige wunderschöne Landschaftszüge entdecken dürfen. Absolute Empfehlung.

Über Warrnambool, Port Campbell, dem Leuchtturm bei Cape Otway, Apollo Bay, Lorne und Torquay erreichten wir schlussendlich die Fähre nach Sorrento. Eine Strecke voller sensationeller Ausblicke, Sonnenauf- sowie Untergänge, Schlaglöchern so groß wie das Mietauto selbst (als echte Abenteurer wurden diese natürlich nicht umfahren, sondern direkt anvisiert – no worries) und wunderschönen Stränden. Essenstechnisch konzentriert man sich in Australien besser nicht auf den #stayhealthy Lifestyle, schließlich ist hier vom Apfel bis zur Zinktablette gefühlt alles frittiert. Trotz größter Anstrengungen konnten keine Wale gesichtet werden, und auch die von mir heldenhaft getöteten todesgiftigen Spinnen im Zimmer entpuppten sich wohl als Weberknecht, so zumindest die niederschmettende Analyse meiner Reisebegleitung. Ich sage, es waren Mischungen aus White-Tail, Red-Back und Vogelspinnen.

Die zwölf Aposteln (passend dazu in Wien der 12 Apostel Keller)

Phillip Island. Einfach magisch. Jegliche Beschreibung erübrigt sich. Paradies quasi noch Hilfsausdruck. Besucht auf dieser wunderschönen Insel unbedingt den WildLife Park. Kängurustreicheln ersetzt jegliche Seelentherapie und jeglichen “an apple a day”. Kehrt jedoch den Emus niemals den Rücken zu. Tut es verdammt nochmal nicht! Nach herrlich entspannenden Tagen mit milden 15 Grad machten wir uns auf zu unserer letzten Station: Melbourne. Die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria ist vergleichbar mit einem Döner beim Kebabstand eures Vertrauens, von Anfang bis zum Ende eine geile Sache! Interessant: in der “Innenstadt” ist Straßenbahnfahren kostenlos. Heißer Tipp: in Melbourne Australian Football besuchen, ihr habt in euren Leben noch nie so eine seltsam faszinierende Sportart gesehen. Ohne einen einzigen Wal gesehen zu haben traten wir unsere loker-entspannte 39 stündige Heimreise nach good old Austria an, und nun, 8 Monate später ist auch endlich mein Jetlag vorbei.